Sonja Heimo

Nach der Lehre zurück in die USA

Als Tochter eines Airline-Managers, der von seiner Firma weltweit eingesetzt wird, kommt man schön herum. Sonja Heimo (19) wuchs in New York auf und kam vor 5 Jahren in die Schweiz. Jetzt lernt sie FaBe in Herrliberg. 


Zweisprachigkeit kann im Beruf sehr nützlich und wichtig sein. Das erfuhr Sonja Heimo gleich schon beim ersten Kontakt mit den Verantwortlichen der Kita «Kidsloft», wo sie heute ihre FaBe-Ausbildung absolviert. 
Die Nähe der Kita war einer der Gründe, weshalb sie sich hier für eine Praktikumsstelle bewarb. Und ihre perfekte Zweisprachigkeit war ein guter Grund, sie gleich zu engagieren, denn in einer Umgebung, in der viele Expat-Familien wohnen, ist Betreuung auf Englisch ein Muss! Nach dem ersten halben Praktikumsjahr wurde dann auch gleich der Lehrvertrag unterschrieben.
Weshalb hat sich Sonja ausgerechnet für die FaBe-Ausbildung entschlossen? «Schon in New York habe ich davon geträumt, einmal «Early Childhood Development» zu studieren. In der Schweiz habe ich dann herausgefunden: Genau das gibt es hier als Berufslehre.» 
Trotzdem die Frage: Weshalb nicht etwas Kaufmännisches? «Ich habe schon im Büro geschnuppert, aber habe schnell gemerkt: Das KV ist nichts für mich. Es ist viel spannender, mit Kindern zu arbeiten als mit Computern!

«Mit einem guten FaBe-Abschluss habe ich auch im Ausland gute Chancen, denn mit 20 werde ich schon vier Jahre qualifizierte Berufspraxis haben!»


Frühe Förderung als klarer Anspruch

Herrliberg ist eine typische Goldküsten-Gemeinde mit einer mehrheitlich gebildeten, wohlhabenden und internationalen Bevölkerung. Entsprechend hoch sind auch die Ansprüche an die Förderung in der Kita.
Das Kidsloft arbeitet nach dem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung (Baden Württemberg). Mit einem klaren Konzept im Rücken kann man auch anspruchsvolle Eltern überzeugen: Sie schätzen das Modell der spielerischen Förderung, bei dem die Kinder in die Aktivitäten miteinbezogen werden. 
Als Lernende übernimmt Sonja wie auch die anderen Mitarbeitenden bestimmte Sequenzen im Kita-Alltag: Spielen, Basteln...  Sie ist schon in die Verantwortung eingebunden, wird dabei aber auch eng begleitet und betreut. 
Die Frühschicht beginnt um sieben, wenn auch die ersten Kinder in das Kidsloft ankommen. Die Spätschicht beginnt um halb zehn, dauert dafür bis halb sieben, wenn die letzten Kinder abgeholt werden. 
Der Morgen beginnt jeweils mit Routinearbeiten: Wäsche besorgen, Zmorge vorbereiten, die Schoppenflaschen füllen, die Kinderliste konsultieren, abchecken, wer was machen will. 
Von da an ist jeder Tag anders. Es kommt auf die Zusammensetzung und Laune der Kinder an, auf die geplanten und spontanen Aktivitäten, auf das Wetter und die Jahreszeit. 
Zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin spricht sie mit den Kindern Englisch

Bilinguale Schule, bilinguale Arbeit

Das Kidsloft liegt nur ein paar Minuten vom Haus ihrer Eltern entfernt. Bis zur Schule ist der Weg etwas weiter – Sonja Heimo fährt zweimal pro Woche nach Winterthur an die Berufsfachschule (BFS). Die beiden Institutionen haben eine wichtige Gemeinsamkeit: das bilinguale Angebot. Sonja besucht an der BFS eine Bili-Klasse, in der der allgemein bildende Unterricht (ABU) und einzelne Berufskundefächer zweisprachig erteilt werden. Beim Bili-Konzept steht nicht die Sprache selber im Mittelpunkt wie im klassischen Englischunterricht, sondern es geht darum, Englisch für den beruflichen Alltag zu üben. Diese Möglichkeit hat sie auch während des freiwilligen Sprachaufenthalts mit Betriebspraktikum in England.

Was wäre, wenn ...?

Bis zum Lehrabschluss dauert es noch ein Jahr. Aber Pläne schmieden für die Zeit danach darf Sonja Heimo natürlich schon heute.
«Ich habe mich bei Kolleginnen erkundigt: Unsere Ausbildung wird dort sehr geschätzt, obwohl es kein Studium im amerikanischen Sinn ist. Aber was aus der Schweiz kommt, hat dort einfach einen guten Ruf: Uhren, Schokolade und Ausbildung! Ich möchte auf jeden Fall wieder in die USA zurück und dort in einer Krippe oder Pre-School arbeiten.»
OK, das ist jetzt noch kein sehr verrückter Traum. «Solche Träume gibt es auch: Zusammen mit Kollegen hecke ich immer wieder Business-Ideen aus. Klar, dass das alles in Amerika verwirklicht werden soll! Zum Beispiel könnten wir ins Music Producing einsteigen. Oder eine eigene Bäckerei eröffnen. Vielleicht auch eine Bar. Natürlich wäre auch eine eigene bilinguale Krippe oder Pre-School vorstellbar. Und vielleicht auch alles zusammen!»
Und die ganz realistischen Pläne? «Vielleicht hänge ich an die Lehre noch eine Ausbildung an. Ich könnte zum Beispiel Sozialpädagogik studieren. Mit einer zusätzlichen Ausbildung habe ich auch zusätzliche Chancen!»