Sozialbegleiterin mit eigener Firma – Claudia Klauser

Ich bin angekommen

Claudia Klauser ist Inhaberin der HomeAssist GmbH in Weinfelden: Mit ihrem Unternehmen unterstützt und begleitet sie vor allem ältere Menschen, die so lange wie möglich zu Hause leben möchten. Sie arbeitet daran, ihr Dienstleistungsspektrum weiter auszubauen.

Das Berufsleben begann für Claudia Klauser mit einer Lehre und ein paar Jahren Praxis als Köchin/Diätköchin EFZ. Was sie dabei bald vermisste, war der direkte Kontakt zu Menschen. Deshalb wechselte sie zur Pro Senectute, wo sie als Alltagshilfe arbeitete. Damit hatte sie genau den Job gefunden, den sie lange gesucht hatte: Die aufsuchende Arbeit entsprach ihr, und für sie war es ein grosses Erlebnis, das Vertrauen der Klientinnen und Klienten zu spüren und ihnen die Sicherheit zu vermitteln, dass ein Leben in den eigenen vier Wänden sehr lange möglich sein kann.
Was ihr allerdings fehlte, war die theoretische Grundlage und damit die Sicherheit der Professionalität. Allerdings kam für sie ein Studium, zum Beispiel in Sozialpädagogik, nicht in Frage. Doch sie fand nach kurzer Recherche den Weg, der perfekt zu ihren Vorstellungen passte: die Ausbildung an der Schule für Sozialbegleitung in Zürich.

Das eigene Unternehmen als Praxisbetrieb

Gespräche mit den damaligen und potenziellen Arbeitgebern verliefen enttäuschend: Sie zeigten kein Interesse daran, sie als Angestellte während ihrer dreijährigen Ausbildung an der Schule für Sozialbegleitung in Zürich zu unterstützen.
Nach kurzer Zeit fällte sie deshalb einen grossen Entschluss: Sie gründete unter dem Namen HomeAssist eine eigene GmbH. Dadurch wuchs zwar die Belastung: Der gleichzeitige Aufbau eines Start-ups und die berufsbegleitende Ausbildung  stellten hohe Ansprüche. Auch der ständige Rollenwechsel zwischen Chefin und Studentin war sehr gewöhnungsbedürftig. Ihr Organisationstalent wurde bis ins Letzte beansprucht, und sie spürte zeitweise auch, dass sie an ihre Grenzen kam.
Doch von Aufgeben konnte keine Rede sein: Sie zog ihr Projekt durch, und heute wird sie in Weinfelden zunehmend wahrgenommen – und von ihren Klientinnen und Klienten sehr geschätzt.

«Professionalität heisst Organisation, Selbstreflexion, Verantwortung – und die sorgfältige ‹mise en place› vor jedem grossen Schritt.»

Professionalisierung als persönliche Mission

Was Claudia Klauser von Anfang an erstaunte, war das allgemeine Unverständnis ihrem Beruf gegenüber. Viele Kolleginnen und Kollegen konnten in ihrem Umfeld wenig mit dem Begriff «Sozialbegleiterin» anfangen. Besonders befremdete sie, dass gerade grosse Institutionen, die sich seit Jahren mit aufsuchender Arbeit profilieren, in ihrer Belegschaft überhaupt keine Sozialbegleitenden haben. Denn sie hatte in der Ausbildung wie in ihrem eigenen Unternehmen schnell verstanden, dass das «Helfen wollen» als alleiniger Antrieb nicht genügt, um Klientinnen und Klienten ressourcenorientiert und gezielt zu unterstützen, auch in ihrem Willen, noch möglichst viel selbstständig erledigen zu können. Sie bedauert auch, dass staatliche Institutionen und Ämter wie beispielsweise die KESB noch zu wenig Gebrauch machen von den Dienstleistungen ausgebildeter Sozialbegleiterinnen und Sozialbegleiter.
Aus diesem Grund engagierte sie sich nicht nur für ihre eigene neue Firma, sondern – und das ebenfalls noch während ihrer Ausbildung – auch für das Bekanntmachen ihres Berufs: Sie arbeitet seit Jahren im Vorstand des schweizerischen Berufsverbands Sozialbegleitung. Für sie eine logische Konsequenz ihres Wegs: Sie hat ihren Traumberuf gefunden – und sie möchte sich dafür einsetzen, dass der eidgenössische Fachausweis nicht einfach als noch ein Stück Papier wahrgenommen wird, sondern sich in der Branche endgültig etabliert als anerkannter Beleg für Professionalität in der Arbeit, fundiertes theoretisches Wissen und grosser Praxiserfahrung.
Das Geschäft und den Beruf weiterentwickeln
Im Moment arbeitet Claudia Klauser am Aufbau einer zweiten Niederlassung ihrer Firma im Aargau. Natürlich besucht sie auch regelmässig ihre eigenen Klientinnen und Klienten und bespricht sich mit deren Umfeld. Sie hält Kontakt mit anderen Berufsverbänden, kommuniziert mit Ärzten und Spitex, koordiniert die Arbeit ihrer beiden Angestellten, redet mit Ämtern und Pflegepersonen. Im Berufsverband ist sie verantwortlich für das ­Info-Bulletin. 
Wie das alles zu schaffen ist? «Sozialbegleiterinnen und Sozialbegleiter sind lebenserfahrene Menschen mit einer individuellen Berufsgeschichte. Alle bringen Stärken aus ihrem Erfahrungsbereich in die Praxis mit ein. Bei mir gehört da zum Beispiel die Küche dazu: Vorbereitung ist alles, und wenn im entscheidenden Moment etwas fehlt, wird es schwierig, den Tag zu bewältigen!»