Existenzgründung im Sozialbereich

Alternative mit Chancen

Selbstständigkeit im Denken und Handeln, Initiative, Fachkompetenz, Freude an der Kommunikation und ähnliche Attribute gehören zu den Anforderungsprofilen in Sozialberufen. Und genau das sind auch die Fähigkeiten, die erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeiten auszeichnen. Weshalb also nicht im Sozialbereich selbstständig werden?

 Illustration: tinazellmer.com    

Die meisten Absolventinnen und Absolventen von Ausbildungen im Sozialbereich arbeiten danach im Angestelltenverhältnis für öffentliche und private Einrichtungen, Institutionen oder Amtsstellen. Aber einige tragen sich auch mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen oder vielleicht sogar ein eigenes Unternehmen zu gründen.
Für viele bleibt es ein Traum, aber es gibt auch eine ganze Reihe von erfolgreichen Einzel- und grösseren Firmen im Sozialbereich.

Was zählt, ist die Idee

Die meisten selbstständig Erwerbenden aus Sozialberufen finden sich in beratenden Positionen, zum Beispiel als Bildungs-, Beratungs- oder Organisationsdienstleister, in den Bereichen Coaching, Supervision, Fortbildung, Qualitätsmanagement, Arbeitsvermittlung oder Mittelbeschaffung. Dazu kommen natürlich auch die Betreiberinnen und Betreiber von Heimen, Kindertagesstätten oder ähnlichen Betrieben.
Es ist wie in der freien Wirtschaft: An erster Stelle kommt die alleinstellende Idee. Dann kommt der Businessplan: Ist es überhaupt möglich, mit dieser Idee Geld zu verdienen? Wem kann ich meine Leistungen verkaufen? Wie hoch sind die Fixkosten, welche Auslastung darf ich erwarten, mit was für einem Stundenansatz kann und muss ich rechnen? Auf welche juristischen, politischen oder kulturellen Rahmenbedingungen muss ich besonders achten?
Am grössten sind die Chancen dort, wo Nischen besetzt werden können, die durch staatliche Stellen nicht abgedeckt werden, für die aber ein klarer Bedarf besteht. Mit einer kreativen Geschäftsidee lässt sich hier einiges in Bewegung setzen!

Kaufmännisches Denken und betriebswirtschaftliche Kenntnisse

Oft machen sich im Sozialbereich Menschen selbständig, die zwar mit einer hohen Helfermotivation ans Werk gehen, aber zu wenig auf ihr Einkommen zu achten. Ohne kaufmännische Kenntnisse geht es aber auch hier nicht. Die saubere, nachvollziehbare Buchführung ist nur ein Teil davon! Es lohnt sich, einige Kurse und Weiterbildungen zu belegen, um zur wirklichen Unternehmerin oder zum Unternehmer zu wachsen.

Networking: Gegenseitig profitieren

Soziale Dienstleister brauchen funktionierende Netzwerke, die gepflegt sein wollen – und zwar in alle Richtungen: potenzielle Kunden, Berufsverbände, Amtsstellen, Behörden, andere Anbieter ähnlicher oder ergänzender Leistungen usw. Dabei sind echte Bekanntschaften meist zielführender als die virtuellen Kontakte auf Netzwerk-Plattformen im Internet. Diese können eine Ergänzung sein; echte Begegnungen und Gespräche im realen Leben bringen meist wesentlich mehr!

Der Plan B: angestellt selbstständig bleiben!

Man könnte sagen: Was die Sozialberufe so spannend und interessant macht, ist die Tatsache, dass Verantwortung übernommen wird und Selbstverantwortung gefragt ist, dass ein hohes Mass an Selbstständigkeit zur Tätigkeit gehört und Eigeninitiative gefordert wird – und dass die Hierarchien oft nicht so stark ausgeprägt sind wie in der traditionellen Wirtschaft. 
Das dürfte auch ein guter Grund sein, weshalb viele Angehörige von Sozialberufen in Institutionen oder staatlichen Stellen angestellt bleiben: Sie geniessen auch so Entfaltungsmöglichkeiten und Gestaltungsfreiheit wie sonst nur in wenigen Berufsfeldern.