Karin Heimgartner – Sozialbegleiterin – Psychiatrische Dienste GR

Weggefährtin für eine bestimmte Zeit

Karin Heimgartner arbeitet als Sozialbegleiterin mit eidg. Fachausweis in einem Wohnheim der Psychiatrischen Dienste Graubünden. Als gelernte Verkäuferin kam sie als Quereinsteigerin über die Altenpflege und die Spitex zu ihrer jetzigen Tätigkeit: Für sie ein Traumberuf, in dem sie sich auch weiterentwickeln kann.

Vor dem Lehrbeginn absolvierte Karin Heimgartner ein Welschlandjahr als Au-pair, wo sie auch ihren späteren Ehemann kennenlernte. Da sie bereits einen Lehrvertrag hatte, kam sie nach einem Jahr zurück in den Aargau und begann ihre Lehre als Verkäuferin Detailhandel bei den damaligen Merkur-Confiserien.
Vier Tage nach dem erfolgreichen Lehrabschluss zogen sie und ihr zukünftiger Mann wieder in die französischsprachige Schweiz. Zuerst arbeitete ­Karin Heimgartner ein Jahr als Sekretärin in einer Firma mit Hauptsitz in der Deutschschweiz, bevor sie dann wieder für rund zehn Jahre zurück zu Merkur in den Verkauf wechselte. Ein Stellenwechsel ihres Mannes führte sie 2000 von Yverdon-les-Bains nach Igis im Bündnerland.
Schon immer liebte sie den Kontakt mit Menschen, und sie hegte lange Zeit den Wunsch, in einer sozialen Institution zu arbeiten. Daher packte sie die Chance des grossen privaten Wandels gleich auch für eine Umorientierung im Beruf, und sie absolvierte kurz nach ihrem Umzug die Ausbildung zur Pflegehelferin SRK. Es folgte ein Praktikum in einem Altersheim im Nachbardorf, wo sie schliesslich zwei Jahre lang in der Pflege arbeitete.

«Ich mache das, was mir gefällt»

Nach diesem Einstieg in den Gesundheits- und Sozialbereich wechselte sie in die Hauspflege der Spitex. Ihre einfühlsame Art erleichterte ihr die Begleitung von Personen, die ihr Leben mit psychischen Herausforderungen bewältigen mussten. Nach all den Veränderungen und Anpassungen in ihrem Leben entschloss sich Karin Heimgartner schon beim Wechsel zur Spitex, ab sofort nur noch das zu machen, was ihr gefällt und sie wirklich befriedigt. Deshalb entschied sie sich nach fünf Jahren bei der Spitex zu einem Wechsel und einem sechsmonatigen Praktikum bei den Psychiatrischen Diensten Graubünden (PDGR).

Teammitglieder halfen für eine Festanstellung

Nach dieser Vertiefung in die psychiatrische Betreuung war allerdings für eine nahtlose Weiterarbeit keine Stelle offen. Ein paar Monate später kam eine Anfrage der PDGR, ob sie notfallmässig für zwei Monate im Team einer Wohngruppen-Betreuung einspringen könnte. Für Karin Heimgartner war von Anfang an klar, dass für eine Festanstellung nicht genügend Stellenprozente verfügbar waren und sie deshalb nach Ablauf der befristeten Anstellung keine Arbeit mehr haben werde. Doch am letzten Arbeitstag informierte sie der Teamleiter, dass die Mitarbeitenden die Stellenprozente ihrer Pensen reduzierten, um ihr eine Festanstellung zu ermöglichen. Für Karin Heimgartner war diese spezielle Solidaritätsaktion die Türöffnung zu ihrem Traumjob: «Ich bin offen, packe gerne an und bin immer bereit, Neues in Angriff zu nehmen.»

Ausbildung zur Sozialbegleiterin und neue Wege im Beruf

Lange Jahre war Karin Heimgartner der Meinung, dass sie keine soziale Aus- oder Weiterbildung benötige – nicht zuletzt, weil sie auch als Quereinsteigerin dieselben Arbeiten wie ihre Teammitglieder ausführen konnte. 2013 wollte «wohl das Schicksal», dass sie eine Anzeige der Schule für Sozialbegleitung in der Zeitung sah.
Nach einem Infoabend meldete sie sich gleich für das Aufnahmeverfahren und die Ausbildung zur Sozialbegleiterin mit Vorbereitung auf den eidgenössischen Fachausweis an, die noch im gleichen Jahr begann. Anfängliche Bedenken, dass ihr die Theorie Mühe bereiten könnte, waren schnell verflogen. Karin Heimgartner konnte dank der langjährigen praktischen Erfahrung auf viel Wissen zurückgreifen, und die Ausbildung mit Fachwissen, Methoden und Handlungskompetenzen half ihr bei der Umsetzung im Alltag. Auch mit dem Schulrhythmus kam sie von Anfang an gut zurecht, besonders weil aus ihrer Sicht genau das umgesetzt wurde, was im Schulplan vorgesehen war (und das sie brauchen konnte) und die Themen breit gefächert waren. «Erst gegen Schluss der Ausbildung wurde mir bewusst, welche Türen mir mit dem Lehrgang an der Schule für Sozialbegleitung und dem eidgenössischen Fachausweis offenstehen.» Karin Heimgartner sprach mit der Leiterin der PDGR-Heimzentren und erläuterte ihr das Berufsbild der Sozialbegleiterin. Deshalb wurde sie gleich in den Aufbau und die Begleitung eines Pilotprojekts der Institution mit einbezogen: die Wohnbegleitung für psychisch beeinträchtigte Menschen, die den Wunsch haben, wieder autonom und selbstbestimmend in ihrer eigenen Wohnung zu leben.

Abschlussarbeit mit Realitätsbezug

Ihre Abschlussarbeit für den eidgenössischen Fachausweis trägt den Titel «Von der dezentralen Wohngruppe zurück ins autonome Leben». Dafür begleitete sie über ein Jahr lang einen ehemaligen Bewohner, der den Schritt zurück in seine Selbstständigkeit wagte und nun sein Leben wieder alleine bewältigt. Betreuung nur für eine befristete Zeit: Das ist ein zentraler Punkt in der Sozialbegleitung.
Momentan arbeitet Karin Heimgartner 60% auf der Wohngruppe; zusätzlich ist sie in der Wohnbegleitung tätig. Diese Aufgabenteilung ist für sie sehr wertvoll. Die beiden Tätigkeiten füllen sie aus: Sie begleitet Menschen stationär, aber auch ambulant – und kann individuell auf sie eingehen. Ihnen mit Humor und Offenheit zu begegnen macht die Arbeit der Sozialbegleiterin für beide Seiten wertvoll.